6./II. Kulturhistorische Wanderung durch die Region Slaný – Innerhalb der Stadtmauern
Zur Jahrhundertwende vom 13. zum 14. Jahrhundert wurde der historische Kern von Stadtmauern umschlossen. Der doppelte Gürtel der Festung mit Basteien und Wassergräben wurde an den Hauptwegen in die Stadt (von Prag, Laun, Welwarn) mit den Toren Pražská, Lounská, Velvarská unterbrochen. (Es handelte sich um das Prager Tor, das Launer Tor und das Welwarner Tor) Ein kleineres Tor „Fortna“ (Pforte) stand auf der südwestlichen Seite. Ursprünglich war das Tor Fortna für die Fußgänger bestimmt. Der Grundriss der Stadt erhielt die Form eines verengerten Fünfecks. Im Laufe der Zeit änderte sich die Kriegsführung und die Stadtmauern verloren allmählich ihre Verteidigungsfunktion. Die Stadt verzichtete auf die Nutzung der Stadtmauern und ließ sie in den Jahren 1835-1841 zum großen Teil abbrechen. Ihre Reste sind bis heute sichtbar, vor allem am Standort „U Brodu“ (Zur Schwemme).
Lounská brána - Das Launer Tor – Anstelle des Tors steht das Haus Nr. 101. Im Jahr 1425 wurde das Tor niedergerissen und in den Jahren 1460-1472 wieder ausgebaut. Seine damalige Gestaltung blieb auf der lavierten Zeichnung von Josef Šembera aus dem Jahr 1822 erhalten. Im Jahr 1835 wurde das Tor abgebrochen.
Městská spořitelna, Socha spořivosti - Die Stadtsparkasse, Die Statuengruppe der SparsamkeitIm Jahr 1838 wurde hier ein Haus erbaut, in dem die k.k. Gendarmerie seit dem Jahr 1854 ihren Sitz hatte. Im hinteren Trakt des Gebäudes wurde seit dem Jahr 1859 die Buchdruckerei F. Jeřábek betrieben. In den Jahren 1872-1886 befand sich hier das Telegrafenamt. Im Jahr 1920 verkaufte die Gemeinde das Haus an die im Jahr 1896 gegründete Stadtsparkasse. Diese nutzte seine Räume bis zum März 1930. Das Haus wurde niedergerissen. Das Gebäude der neuen Stadtsparkasse wurde nach Entwurf von dem in Slaný geborenen Architekten Alois Mezera ausgebaut. Die feierliche Eröffnung fand am 15. November 1931 statt. Die Statuengruppe der Sparsamkeit an der Fassadenecke der Sparkasse wurde aus Bohdanetscher Sandstein gehauen und zusammen mit bronzenem Doppelrelief über dem Haupteingang und dem Relief aus Carrara-Marmor in der Eingangshalle stammen aus dem Atelier des Bildhauers Václav Nejtek.
Das Eckhaus Nr. 103 ließ sein Eigentümer Josef Stumpf im Jahr 1873 umbauen. Die ursprüngliche Fassade aus dem Jahr 1911 blieb nur im oberen Teil des Hauses erhalten.
Die Kynský-Straße – (früher die Poštovní-Straße) trägt den Namen des ersten Piaristen in Slaný.
Das Haus Nr. 549 wurde in den Jahren 1873-1875 von Leopold Svoboda in einer Baulücke, die zum k. k. Post- und Telegrafenamt führte, ausgebaut. Am Ende des 19. Jahrhunderts hatte das k. k. Post- und Telegrafenamt seinen Sitz in der Palacký-Straße.
Das Haus Nr. 128 das ehemalige Gasthaus trägt den Hausnamen „V Templu“ (Im Tempel). Er ist von der Kapelle, die hinter dem Haus stand, abgeleitet. Seit dem April 1855 benutzten seinen Saal hiesiges Theaterensemble und der Sokol-Verein. Im Tempel befand sich auch jüdische Gebetstätte.
Das Haus Nr. 115 ziert eine Gedenktafel, die uns an den Piaristenpater Dominik František Kynský (1777-1848) erinnert. An seinem Geburtshaus wurde die Gedenktafel am 29. September 1877 angebracht.
Das Haus Nr. 114 – Beim Umbau der ehemaligen Hauptmannschaft wurden zwei im Boden eingelassene ummauerte Bauten, Relikte der Eisenbearbeitung und mehr als 4000 Tonscherben freigelegt. Der archäologische Fund stammt aus der Mitte des 14. Jahrhunderts.
Das Haus Nr. 148 ist das Geburtshaus von JUDr. Josef František Frič (1804-1876). Es war ein tschechischer Jurist und Politiker. Am Haus wurde die Gedenktafel am 26. Mai 1907 angebracht. Die Straße, in der das Haus steht, trägt seinen Namen (Die Fričova-Straße). Im Garten blieb die Schwarze Bastei der ursprünglichen Stadtfestung erhalten.
Die jüdische Synagoge Nr. 149 wurde zusammen mit der anliegenden jüdischen Schule im Jahr 1865 ausgebaut. Die Synagoge ist nicht zugänglich.
Pražská brána - Das Prager Tor verschloss den östlichen Teil der ummauerten Stadt. Das steinerne Tor wurde anstelle des ursprünglichen älteren Tors im Jahr 1402 ausgebaut. Das Tor behinderte den Verkehr und wurde im September 1841 abgebrochen. Es blieben nur Fragmente des ursprünglichen Skulpturenschmucks erhalten. Sie sind im ersten Erdgeschoss des Heimatkundemuseums zu sehen. Die Abbildung des Tores blieb auf einigen Zeichnungen erhalten, z.B. auf dem Ölgemälde von Karel Würbs aus dem Jahr 1855. Die Spuren des Tors sind noch unterhalb der Stadtmauern am Standort „U Brodu“ (Zur Schwemme) zu sehen.
Das Haus Nr. 15 wurde im Jahr 1822 anstelle des ursprünglichen Beinhauses und der ersten Schule in Slaný erbaut. In den Jahren 1820-1822 wurden die Bauten niedergerissen und der an die St. Gotthardkirche anliegende Friedhof wurde gleichfalls aufgelöst. Im neu ausgebauten Gebäude wurde der ersten Kindergarten errichtet.
Die St. Gotthardkirche – die Sage erzählt, dass die ursprüngliche St. Gotthardbasilika (an der Stelle der heutigen Kirche) schon im Jahr 1137 stand und vom Adligen Mladota gegründet wurde. Aus damaliger Zeit blieben Fragmente der nördlichen Mauer mit Schießscharte neben dem Turm erhalten. Die Kirche und die Propstei des Klosters standen damals außen vor den Stadtmauern. Erst nach der Erweiterung der Stadt, als die neuen Stadtmauern ausgebaut wurden, fanden sie ihren Platz innerhalb der Stadtmauern. In der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde die Basilika in eine frühgotische dreischiffige Kirche mit vorgeschobenem Presbyterium umgebaut. Die Fragmente der gotischen Umfassungsmauern blieben in ihrem unteren Teil erhalten. Zum großen Teil blieben auch die Fensteröffnungen und Pfeiler des mittleren Hauptschiffs erhalten. Die Kirche wurde mehrmals umgebaut. Ein grundlegender Umbau erfolgte in den Jahren 1874 und 1890 nach Entwurf des Architekten Rudolf Štech. Der Kirchenturm ist 43 m hoch. Der Turm hatte ursprünglich vier Glocken – die größte Gotthard (1494), die mittlere Vojtěch (Adalbert, 1508), die kleinste Dominik (1512) und ein Sterbeglöcklein Erasmus (1521). Dominik musste während des 1. Weltkriegs demontiert und der Metallsammelstelle für Kriegszwecke zugeführt werden.
Das Haus Nr. 14 Das sog. Modletický Haus mit Erker an der Fassadenecke schmückt auch ein erhaltenes steinernes Renaissanceportal. Aufwärts in dem mit Monogramm SW am Pfeil mit Doppelspitze verzierten Schlussstein des Portalbogens ist die Jahreszahl 1578 zu lesen. Auf dem Architrav über dem Portalbogen steht die Statue des Hl. Johannes von Nepomuk mit zwei Engelchen. Die Statue stammt aus der späteren Zeit. Im Jahr 1996 erfolgte ihre Restaurierung. Über dem Portal des Nebeneingangs auf der östlichen Seite des Hauses befindet sich eine ellipsenförmige Nische mit Statue.
Im Haus Nr. 33 eröffnete der Restaurator F. R. Svoboda im Jahr 1932 seine Dauergalerie „Aleš“. Es wurden hier über 300 Originalwerke, ausschließlich von den tschechischen Künstlern, ausgestellt und zum Verkauf angeboten. In den 30. Jahren des 20. Jahrhunderts befand sich hier auch ein berühmtes Cafe und das Freudenhaus.
Das Maňasovský-Haus Nr. 34 hat in seinen Nischen die steinernen Skulpturen, die aus dem 15. und 16. Jahrhundert stammen. Über dem Eingang ist ein steinernes Pferd zu sehen.
Im Haus Nr. 35 lebte in den Jahren 1880-1895 der Professor des hiesigen Gymnasiums und der erste Historiograf der Stadt Josef Lacina. Als Historiker und Schriftsteller publizierte er unter dem Pseudonym Kolda Malinský.
Der Komenský-Platz wurde früher Kozí ryneček (Geißenring) genannt. Anstelle der heutigen Grundschule stand eine Brauerei, die der Graf Jaroslav Bořita von Martinic errichten ließ. Bier wurde hier mit einigen Unterbrechungen bis ins Jahr 1884 gebraut. Den ganzen Komplex kaufte die Gemeinde Slaný. An seiner Stelle wurde eine neue Jungenschule ausgebaut. Im Jahr 1895 wurde sie eröffnet.
Fortna (Die Pforte) - die kurze Fortenská-Gasse verdankt ihren Namen dem vierten Stadttor Fortna (die Pforte). In seiner Gestaltung ähnelte die Pforte dem Welwarner Tor (Velvarská brána). Im Jahr 1564 ließ die Stadt das Tor umbauen und in seiner Nachbarschaft einen Wasserturm ausbauen. Der Wasserturm blieb bis heute erhalten. Das Tor Fortna wurde im Jahr 1850 niedergerissen. Es wird überliefert, dass es ein einziges Stadttor war, durch das der Scharfrichter in die Stadt eintreten durfte.
Das Haus Nr. 53 in der Soukenická-Straße. Die ellipsenförmige Kartusche über seinem Eingang umrahmt ein Hauszeichen, auf dem ein Adler abgebildet ist.
Das Haus Nr. 68 Seine Gedenktafel für den tschechischen Priester und nationalen Erwecker Karel Alois Vinařický (1803-1869) wurde am 24. Juli 1870 enthüllt.
Die Gedenktafel für J. Šípek und R. Černý am Eingang zum Marktplatz von der Soukenická- Straße erinnert uns daran, dass hier früher das Haus Nr. 55 stand und dass das ein Geburtshaus vom verhafteten und gemarterten Kommunisten Josef Šípek (1906-1960) war. Die Gedenktafel ist auch dem Major der tschechoslowakischen Armee und dem Angehörigen der tschechoslowakischen Einheiten in England René Černý (1914-1950) gewidmet. René Černý wurde von den Kommunisten verhaftet und in Prag hingerichtet.
Die Husova-Straße nannte sich früher die Široká- oder Lounská-Straße. Die Gehsteige wurden mit Mosaik gepflastert und ihr Randstein ist aus Granit. Die Umpflasterung der Fahrbahn erfolgte im Jahr 1903.
Das Haus Nr. 96 reicht bis in die Soukenická-Straße. Auf seiner Gedenktafel steht, dass in diesem Haus der tschechische Dichter und Dramatiker Jaroslav Vrchlický (1853-1912) lebte und dass es sich um das Geburtshaus seines Bruders – des Übersetzers, Pädagogen und Schriftstellers Bedřich Frída (1855-1918) handelt.
Das Haus Nr. 94 – in dem Haus wurde im Jahr 1560 Jan Šultys (Šoltys) geboren. Er war als Lehrer und Gastwirt in Slaný und Kutná Hora (Kuttenberg) tätig. In Kutná Hora wurde er zum Bürgermeister gewählt. Unter dem Namen Jan Šultys von Felsdorf wurde er auch in den Adelstand erhoben. Als Mitglied des Direktoriums wurde er bei der "Altstädter Exekution" am 21. Juni 1621 dem Henker Jan Mydlar übergeben und hingerichtet. Das Haus erwarb die Familie Fähnrich und es diente als Gaststätte U Tří bažantů (Zu drei Fasanen). Seine heutige Gestaltung erhielt das Gebäude im Jahr 1882.
Das Haus Nr. 93 war im Besitz des Fotografen und Museologen F. Duras. Zur vorletzten Jahrhundertwende wurde im Haus sein fotografischer Betrieb unterbracht.
Das Haus Nr. 107 „U lodi“ (Zum Schiff) fungierte seit dem 18. Jahrhundert als Zentrum des kulturellen Lebens in der Stadt. Im Jahre 1820 fand - gerade in diesem Gebäude - die vermutlich erste Amateuraufführung in der tschechischen Sprache statt. Das Einkehrgasthaus wurde auch in späteren Jahren von hiesigen Theateramateuren genutzt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ging das ursprünglich einstöckige Gebäude zugrunde. Die heutige Gestaltung erhielt das Haus im Zuge der Renovierung im Jahr 1913.
Das Haus Nr. 90 Es handelt sich um das Geburtshaus des Chronikschreibers, später auch des Primas in Slaný und des Hauptmanns in Martinice und Slaný Daniel Vepřek (1600-1657).
Das Haus Nr. 89 gehörte zu den ersten Kulturläden in der Stadt Slaný. Seit dem Jahr 1871 betrieb hier seinen Buchladen der Buchdrucker und Verleger František Neubert. Anfang der 80. Jahre des 19. Jahrhunderts verbrachte hier seine Lehrlingsjahre Václav Kliment (geboren in Velvary) – später eine berühmte Persönlichkeit der Automobilindustrie.
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