9. Kulturhistorische Wanderung durch die Region Slaný
Schlan - Bisen – Lotaus – Neprobilitz – Kutrowitz – Kwillitz – Weißthurn – Groß Horeschowitz – Klein Horeschowitz - Sichowetz – Zierotin - Jungferteinitz
Die Route startet am Informationszentrum auf dem Masaryk-Platz (im Gebäude des ehemaligen Piaristenkollegs Nr. 159). Von hier aus nehmen wir den Weg durch die Hus- und Třebízský-Straße. Wir gehen die Straße Nr. 16 Richtung Řevničov und biegen nach rechts auf die Straße Nr. 23628 Richtung Byseň ein.
BYSEŇ - BISEN
Die archäologischen Funde oberhalb des Dorfes in der Richtung Lotouš sind der altertümlichen Besiedlung zuzuweisen. Das Dorf wurde 1316 erstmals schriftlich aufgeführt. Einziges Denkmal ist die Kapelle aus dem Jahr 1860. Die Fragmente der mittelalterlichen Feste blieben nicht erhalten.
LOTOUŠ – PÍSEK – LOTAUS- SAND
Es handelt sich um zwei verbundene Dörfer, wobei Lotouš älter ist. Im Bereich des Dorfes wurden die Hockergräber der Aunjetitzer Kultur freigelegt. Die Ersterwähnung der Gemeinde geht auf 1227-1228 zurück. Das Dorf Lotouš wurde der Stadt Slaný unterstellt. Im Jahr 1547 wurde es konfisziert, 1562 an die Stadt Slaný zurückgegeben und nach der Schlacht am Weißen Berg im Jahr 1623 von der Familie Martinic von Smečno erworben. Gemäß der Steuerrolle aus dem Jahr 1654 standen im Dorf vier Bauerhöfe, die den Kern des Dorfes noch Anfang des 20. Jahrhunderts bildeten. Erwähnt sind noch drei Häuser und die Kapelle der Hl. Dreifaltigkeit aus dem 19. Jahrhundert. In Písek neben der Straße stand ein Einkehrgasthaus. Das Einöddorf Libuš erinnert an die Zeit des Kohlenabbaus. Die nahen Gruben Libuš und Arnošt verblieben im Besitz des Kohlenreviers Beyer von Sv. Jan bei Libovice (St. Johann b. Libowitz).
NEPROBYLICE - NEPROBILITZ
Die Gemeinde erscheint urkundlich erstmals im Jahr 1316. Im Jahr 1397 wurde das Dorf in zwei Teile geteilt. Im oberen Teil entstand die Feste Hrádek. Den unteren Teil erwarb Vaněk von Hřivice (Riwitz), der hier die zweite Feste ausbauen ließ. Am Ende des 16. Jahrhunderts wurden beide Teile des Dorfes wieder zusammengefügt. Die Feste Hrádek ließ Václav Pětipeský in den Jahren 1587-1588 im Renaissancestil umbauen. Die untere Feste verödete und verfiel. Die ursprünglich barocke Heiliggeistkirche aus dem Jahr 1741 wurde im 19. Jahrhundert umgebaut. Auf dem Dorfplatz steht ein Glockenturm, der im Jahr 1896 anstelle des älteren Renaissanceglockenturms ausgebaut wurde. In die Mauern des Glockenturms sind zwei Grabsteine von der niedergerissenen Kirche eingelassen. Auf dem ersten Grabstein ist der am 7. März 1602 gestorbene Ritter Václav Pětipeský von Chýš und Egerberg abgebildet. Der zweite Grabstein mit der absichtlich behauenen Frauenfigur stellt Mandeléna von Adlar († 1604) – die Ehefrau von Odolan Älterer Pětipeský dar. Der dritte im 19. Jahrhundert vernichtete Grabstein gehörte Alžběta Vojkovská von Milhostice († 1610). Das Geläut des Glockenturms besteht aus drei Glocken. Das Kreuz vor dem Glockenturm stammt aus dem 19. Jahrhundert. Neben dem Glockenturm stehen zwei den ersten Präsidenten Masaryk und Beneš gewidmete Linden. Die Keller- und Mauerreste von der Feste Hrádek dienten dem Pflughof und später auch dem Schafstall der Familie von Martinic und Clam-Martinic zum Fundament. Vom Pflughof blieben nur Ruinen erhalten.
In die Südmauer der ehemaligen Feste wurden zwei Sandsteintafeln mit den Wappen von Václav Pětipeský und seiner Ehefrau Ižalda (Alžběta - Elisabeth) Vojkovská von Milhostice eingelassen. Die Inschrift der dritten Sandsteintafel unter ihnen berichtet, dass der Ritter Pětipeský die Feste auf eigene Kosten umbauen ließ. Die Sonnenuhr an der Mauer des ehemaligen Schafstalls wurde laut Inschrift im Jahre 1926 erneuert.
KUTROVICE - KUTROWITZ
Die prähistorische Besiedlung dieses Gebiets belegen archäologische Funde der Bandkeramik, die der Bylany-Kultur zuzuordnen sind. Sie wurden im Jahr 1900 in der hiesigen Ziegelfabrik freigelegt. Die Ersterwähnung des Dorfes geht auf das Jahr 1366 zurück. Im Dorf befindet sich eine schön renovierte Kapelle. Sie finden hier auch ein kleines Kreuz.
KVÍLICE - KWILITZ
Das Dorf wurde im Jahr 1211 erstmals erwähnt. Die um 1366 errichtete St. Veitskirche fiel im Jahr 1884 einem Großbrand zum Opfer. In den Jahren 1886-1887 wurde die Kirche nach Entwurf des Architekten R. Štech wieder ausgebaut. Der benachbarte aus dem 16. Jahrhundert stammende Holzglockenturm wurde im Jahr 1663 umgebaut. Das Pfarrhaus stammt aus dem Jahr 1882. Die Schule in Kvílice besuchte V. Beneš Třebízský. Seine Eltern wurden auf hiesigem Friedhof beerdigt. Das Dorf kommt in mehreren seiner Geschichten vor. Im Dorf befindet sich noch eine altertümliche Mühle mit einem Brunnen, der mit dem Taubeschlag und der Statue des Hl. Johannes von Nepomuk kombiniert ist.
TŘEBÍZ - WEIßTHURN
Die Anfänge des Dorfes und der hiesigen Feste sind urkundlich nicht belegt. Der Schwerpunkt der Sammlungen des Heimatkundemuseums in Třebíz liegt auf der Volksarchitektur der hiesigen Region. Im Museum werden alte Volksbaukunst, Wohnwesen und Landwirtschaft zu neuem Leben erweckt. Zu den bedeutsamsten Baudenkmälern gehört der Cifkův Bauernhof (Nr. 1), das Amt des Dorfrichters mit Schankrecht, mit Speicher, Keller, Pferdestall und weiteren Wirtschaftsgebäuden. Im Inneren des Hauses Nr. 4 blieb ein alter Kramladen erhalten. Die Knechtenhäuser Nr. 62 und 64 waren ursprünglich die Ausgedingehäuser von Bauernhöfen Nr. 10 und 11. Ihre Ausstattung entspricht dem Stand aus der Jahrhundertwende (19./20. Jh.). Im Garten des Hauses Nr. 10 finden wir die Fachwerkscheune aus Lehm, als Beleg des Baustils am Ende des 17. und im 18. Jahrhunderts. Auf dem Dorfplatz steht barocke St. Martinkapelle aus der Hälfte des 18. Jahrhunderts. Das Geburtshaus des Priesters und Schriftstellers Václav Beneš Třebízský (Nr. 19) bietet eine Dauerausstellung zu seinem Leben und Werk. In die Sandsteinfelsen oberhalb des Dorfes wurden die Keller abgeteuft. In den Felsen wurde ein die Pieta darstellendes Relief eingehauen. Auf dem Felsen steht das Denkmal für Václav Beneš Třebízský. Es stammt aus der Werkstatt von František Hergessel und František Procházka. Seine feierliche Enthüllung erfolgte am 14. August 1892.
HOŘEŠOVICE – GROß HORESCHOWITZ
Das Dorf wurde schon im Jahr 1227 erstmals aufgeführt. Die erste Erwähnung des Pfarrhauses erfolgte im Jahr 1352. Zu den Patronen der St. Peter und Paulkirche gehörten außer den hiesigen niedrigen Adligen die Herren von Žerotín (Zierotin), Toužetín (Tauschetin) und Neprobylice (Neprobilitz). Das gotische Presbyterium der heutigen Kirche steht anstelle der ursprünglichen Kapelle. Die Ersterwähnung der Kirche fällt auf das Jahr 1321 zurück. In ihrer Nachbarschaft steht der ursprünglich im Renaissancestil ausgebaute Holzglockenturm mit steinernem Sockel. Auf dem Dorfplatz steht die Statue des Hl. Johannes von Nepomuk, ihr Ursprung reicht bis ins Jahr 1863 zurück.
HOŘEŠOVIČKY – KLEIN HORESCHOWITZ
Das Dorf wurde im Jahr 1390 im Zusammenhang mit hiesigem Wladika Racek von Klein Horeschowitz erstmals aufgeführt. Die barocke St. Martinkapelle mit Wappen der Familie Kinsky über ihrem Eingang stammt aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts.
ZICHOVEC - SICHOWETZ
Zichovec ist letztes Dorf des hiesigen Umkreises. Die ersten Erwähnungen des Dorfes gehen erst auf das Jahr 1407 zurück. Über den weiteren Verlauf der Geschehnisse schweigen die Quellen. Im 16. Jahrhundert wurden ein Teil der Gemeinde dem Dorf Srbeč (Serbetsch) und der andere der Herrschaft Peruc (Perutz) unterstellt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg verblieben ein Teil des Dorfes im Besitz der Herrschaft Vraný (Wrana) des Herrn Jan Václav Vratislav von Mitrovice und der andere im Besitz des Herrn Valkoun von Adlar in Zlonice (Zlonitz). In der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts gehörte das ganze Dorf der Herrschaft des Herrn von Dittrichstein in Budyně (Budin). Die Kapelle im Dorf stammt aus dem Jahr 1895.
ŽEROTÍN - ZIEROTIN
Die Burg Žerotín mit dem gleichnamigen Dorf (unterhalb der Burg) wurde Anfang des 13. Jahrhunderts von Habart von Hořovice (Horschowitz - 1229) dem Burggrafen von Přimda (Pfraumberg) gegründet. Beim Schwedeneinfall während des Dreißigjährigen Kriegs wurde die Burg erobert und ausgeraubt. Sie wurde in den folgenden Jahrhunderten nie wieder aufgebaut. Es blieben nur zwei Säulen von Kellerräumen erhalten. Erkennbar ist noch auch der ehemalige Wassergraben. Die St. Blasiuskirche wurde im Jahr 1800 ausgebaut. Die neuromanische Kapelle stammt aus dem Jahr 1900.
PANENSKÝ TÝNEC - JUNGFERTEINITZ
Die Benennung Týnec wurde vom Wort „Týn“ oder vom altkeltischen „Taun“ abgeleitet und bedeutet Umfriedung. Die Bezeichnung „Panenský“ (jungfräulich) knüpft an die Jungfrauen Klarissen - den weiblichen Zweig der Franziskaner an. Týnec wurde im Jahr 1115 erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahr 1186 wurde es als Dorf aufgeführt. Im Jahr 1321 erscheint Týnec urkundlich als Stadt. Im Jahr 1280 stiftete Habart von Zierotin in Týnec ein Kloster und überließ es den Klarissen aus dem Prager Agneskloster zum Nießbrauch. Im Jahr 1320 wurde mit dem Bau der prächtigen gotischen Klosterkirche begonnen. Der Brand im Jahr 1382 und die Hussitenkriege verhinderten die Vollendung der Bauarbeiten. Im Jahr 1422 wurde das Kloster von den Hussiten niedergebrannt. Die Zierotiner ließen sein Gebäude erneuern und das Kloster wurde von Klarissen für weitere 220 Jahre wieder bewohnt. In der Klosterkapelle der Hlgst. Dreifaltigkeit befand sich die Gruft der Zierotiner und der Äbtissin. Vom Untergang des Klosters schweigen die Quellen. Nach dem Brand im Jahr 1722 wurde es wahrscheinlich nie wieder aufgebaut. Im Jahr 1548, laut Inschrift über dem Eingang „AZL 1548“, ließ die Äbtissin Anna von Litoměřice (Leitmeritz) das Kloster im Renaissancestil umbauen. Nach der Schlacht am Weißen Berg kehrten die Klarissen nach Prag zurück und das Kloster in Týnec diente nur dem Sommeraufenthalt und als Verwaltungssitz des Stiftsguts. Das rein tschechische Kloster wurde im Jahr 1782 im Zug der Reformen Kaiser Josephs II. aufgelöst.
Im Jahr 1797 kaufte die Herrschaft Panenský Týnec der Prager Bürger Jan Tuscany. Im Besitz seiner Familie verblieb sie bis 1854. Die Familie bewohnte zuerst das Kloster. Sie hielten es aber für wenig prachtvoll. Im Jahr 1842 ließen sie im nördlichen Teil des Hofs ein neues Schloss ausbauen. Sein Gebäude wollte MUDr. A. Maixner (Arzt von T.G. Masaryk) zu einem Wasserkurort umbauen. Es gelang ihm nicht und das Schloss wurde im Jahr 1948 niedergerissen. Die Familie Tuscany gründete außerhalb des Dorfes einen neuen Friedhof, auf dem im Jahr 1800 ihre Gruft im klassizistischen Empirestil ausgebaut wurde. Im Jahr 1856 wurde Týnec vom Prager Bürger Vojtěch Renner gekauft. Während seiner Verwaltungszeit ließ Frau Pavlína Kašparová die Dampfbrauerei ausbauen. Bier wurde hier fast 50 Jahre lang gebraut. In diesen Zeitraum fällt auch die größte Aufwärtsentwicklung der Gemeinde. Im Jahr 1872 wurde die Herrschaft an die Gräfin Teresia von Herberstein verkauft. Und somit fügte sie Panenský Týnec nach 512 Jahren der ursprünglichen Zierotiner Herrschaft hinzu. In ihrem Besitz verblieb es bis 1945.
Das einstöckige Klostergebäude wurde ursprünglich für die Hl. Agnes von Böhmen und als dreiflügeliger Gebäudekomplex ausgebaut. Erhalten blieben die Reste vom späteren Renaissanceumbau. Den Eingang des Nordflügels bildete ein halbrundes Portal aus dem Jahr 1548. Die ans Kloster anliegende gotische Klosterkirche mit einem reich verzierten Eingangsportal blieb nur als Ruine erhalten. Auf dem Fundament der ursprünglichen dreischiffigen Kirche wurde im Jahr 1722 ein gotischer Glockenturm aufgebaut.
Die ursprüngliche St. Georgkirche stifte Plichta von Zierotin im Jahr 1318 zum Andenken an seinen Ritterschlag, der am 23. April 1318 im Landtag in České Budějovice (Böhmisch Budweis) erfolgte. Im Jahr 1722 wurde die Kirche erweitert und im Jahr 1904 renoviert. Der Mechanismus ihrer Turmuhr wird per Hand aufgezogen. Die Barockkapelle des Hl. Johannes von Nepomuk stammt aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im Jahr 1999 wurde die Kapelle renoviert und wieder eingeweiht. Auf dem neuen Friedhof dominiert die Gruft von Jan Tuscany, sie wurde im Jahr 1800 im Empirestil ausgebaut. An der nördlichen Friedhofmauer befindet sich das Grab vom berühmten Botaniker und Entdecker vieler Orchideen Benedikt Roezl. Seine Statue steht auf dem Karlsplatz in Prag. Die Restruine der nie fertig gebauten Klosterkirche in Panenský Týnec ist durch ihre einmalige Atmosphäre berühmt. Die Kirche strahlt positive heilende Kraft und Energie aus.
Gesamtlänge: 22 km. Der Weg ist für Touristik und Radtouristik geeignet. Die Route führt über die Gemeinde- und Kreisstraßen.
Slaný – Byseň 3,9 km
Byseň – Lotouš 2,3 km
Lotouš – Neprobylice 1,34 km
Neprobylice – Kutrovice 1 km
Kutrovice – Kvílice 1,9 km
Kvílice – Třebíz 1,7 km
Třebíz – Hořešovice 1,7 km
Hiřešovice – Hořešovičky 1 km
Hořešovičky – Zichovec 2,2 km
Zichovec – Panenský Týnec 3,6 km
Městský úřad Slaný, Velvarská 136, 274 01 Slaný, ústředna: 312 511 111, fax: 312 522 771
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